Hartwigsdorfer Weg 9, 17217 Penzlin OT Zahren

Teil 1

Geschrieben im Herbst 2025 Wo fang ich an?! Ich HABE angefangen. Vor dem Anfang liegen gute 40 Jahre Erfahrungen mit Pferden, davon 33 Jahre Pferdehaltung und Reiten in Eigenregie. In diesen 33 Jahren hatte ich genau 3h Reitunterricht. (Als Kind beim Ponyreiten – ich möchte sagen, es war kein wirklicher Reitunterricht. Eher, wie bleib ich auf dem Pony ohne Sattel in allen Gangarten sitzen und

bestimme obendrein die Richtung? Nach dem 26. Abwurf hab ich das Zählen beendet.) In Stunde 2 und 3 des besagten Unterrichts ging es um Bêla, meine Halbspanierin und mich. Bisher forderte jedes Pferd von mir ein Neudenken, neue Wege gehen. War ich vor Bêla mit meiner Trakehnerin gut und weit im Westernreiten und mithilfe des Horsemanship gekommen, so sagte sie: Mit mir aber nicht. Denke neu! Als ihre Vollschwester Josefine zu uns kam, folgte auch deren Ansage: Was du bisher kannst, reicht für mich noch lange nicht! Sie ist ein Pferd, das mit dem 1. Galoppsprung „on“ ist. Wenn ich das Pferd im Galopp nicht mit wenig Körpereinsatz kontrolliert bekomme, möchte ich nicht galoppieren. Ü50 schlägt zu Buche! Ein Dilemma tat sich auf. Wo ist der Knopf, wo ist der Schalter? Wie erklär ich ihr…?! Ich weiß nicht mehr, wie ich auf das Vertikale Reiten und Manuel aufmerksam wurde. Es war vor etwa 3, 4 Jahren, als mir wohl die ersten Videos begegnet sind in FB. Ich sah sie aufmerksam und las die Kommentare. Total super oder totaler Verriss – dazwischen gab es nicht viel. Da ich selbst regelmäßig zum Polarisieren Anlass gebe, folgte ich den Videos und schlug mich sofort zum Pol der Begeisterten. Was ich sah, beflügelte mich. „Unfertige“ Pferde im Training, Momentaufnahmen vom „Schweben auf Wolke sieben“, dann wieder ein Stück Weg hin zum Seligsein mit dem Pferd.

Ich suchte mehr Infos zu bekommen, mehr zu lesen, mehr zu sehen. Landete bei Anja Beran und ihren hervorragenden Videos der Demonstration der Seitengänge vom Boden und unter dem Reiter. Ich belebte lang Vernachlässigtes und suchte meine Pferde so zu arbeiten, wie Anja darstellte. Weiter ging es dann mit den Mobilisationen nach Manuel / Baucher im Hintergrund und den Flexionen. Ich durfte dabei zusehen, wie mein alter Halbappaloosa Ashley Muskeln an Stellen bekam, wo ich sie bisher bitterlich vermisste. Auch die Spanierinnen zogen nach. Trotzdem – irgendwo ist Stopp, wenn man alles versucht aus Videos und Büchern zu lernen! Vertikal 1 und 2 als Buch und Video hatte ich mir gekauft, verschlungen, danach gearbeitet und erneut verschlungen. Galoppieren mit Josi entspannt und mit minimaler Anlehnung? Fehlanzeige! Der Januar 2025 kam und mit ihm 2 Ereignisse: mein Bruder teilte mir mit, dass ein gemeinsamer Freund vor Weihnachten sein Leben beendet hat! Erschütterung und viele Fragen im Kopf. Und 2.: die OS luden ein, im 3. Jahr einer MiniEscola einzusteigen, sofern man sich dafür bereit fände.

Also, ich steh nicht davor, meinem Leben ein Ende zu setzen – aber: so schnell kann ein Ende da sein! Besser spät als nie?? Ist das meine Chance? Die haben bestimmt auf mich gewartet, da in Waal! Haha! Die nehmen dich bestimmt nicht! Vielleicht hatte ich schon ein Gläschen Rotwein konsumiert, als meine Finger zur Kontaktaufnahme mit den OS schritten. Mit flauem Gefühl wandelte ich die folgenden Stunden herum.

Dann die Antwort: Liebe Frau Friedrich, schön, dass Sie sich für den vertikalen Weg interessieren und bereits einiges aus den Büchern und Filmen versuchen, umzusetzen. Die Escola, um die es sich handelt, ist eine sogenannte MINI-Escola mit ehemaligen Schülerinnen von Manuel Jorge de Oliveira als Trainer. Da sich in dieser Gruppe keine Ausbilder befinden, ist das Niveau nicht extrem fortgeschritten, sodass ein Einstieg theoretisch möglich ist, wenn Sie sich bereits auf dem vertikalen Weg befinden. Was halten Sie von einem Probebesuch des 1. Termins? Dann können wir danach zusammen entscheiden, ob Sie diese Ausbildung in 2025 fortsetzen können und wollen?

BÄM!! Freundlicher, einladender geht nicht. Effekt bei mir: mein Herz ist runter zum Knie gerutscht. Oh mein Gott!!!!! Ich kann dahin kommen!!?

Teil 2

Heute, April 2026, also gut 1 und ¾ Jahr später schreib ich die Zeilen. Ich habe so viel gelernt bei den 4 Blöcken a 3 Tagen in Waal. Die Fortschritte stellten sich ein. Auch wenn es immer Minischrittchen sind, sind sie so bedeutend. Ich hatte sehr gute Lehrerinnen und Lehrer, die alle auf ihre Art dazu beitrugen, dass ich das was ich tue und tun könnte, besser umsetzen und verstehen kann. Viel habe ich mir abgeguckt, um es in meinem Unterricht hier in Zahren umzusetzen. Eine ganze Menge Bilder trugen zur Veranschaulichung des Gesagten bei. So achte ich insbesondere beim Reiten auf Josefine darauf, dass meine „Feuerwalze“, die in mir lodert, tunlichst auf Sparflamme steht, wenn ich ruhigste Arbeit von ihr verlange. Innerlich herunterfahren und möglichst nicht denken!! Josefine setzt jeden Gedanken um, versucht es zumindest. Und ich pfusche ihr dann dazwischen, weil es ja nur ein Gedanke war…. Es muss für sie sehr frustrierend sein!

Nun habe ich endlich auch alles beisammen, um mit dem Unterricht weiterzumachen und arbeite online mit einer Trainerin, Vanessa Dietrich. Es ist eine super Möglichkeit, ganz konkret am eigenen Pferd Hinweise zu bekommen, was hilfreich für die verschiedenen Thematiken ist.

Angaloppieren z.B. - ich bekam den Tipp, zuerst den äußeren Schenkel nach hinten zu legen, 1, 2 Paraden zu geben und dann den Schenkel mini anzudrücken. So weiß Josefine-Dampfmaschine (wie ich sie liebevoll nenne – und man kann schon ahnen, dass Feuerwalze + Dampfmaschiene einen Haufen Power ergeben) was kommt, sie weiß es ja eh, weil ich zuvor den Gedanken hab und kann mithilfe der Paraden ruhiger den ersten Sprung machen.

Seit ein paar Wochen versuche ich auch ständig „in den Spiegel“ zu sehen beim Reiten, Also inzwischen ist ja ein super Spiegel am Reitplatz angebracht, der einen Hufschlag gut einfängt. Was ich meine ist aber, nach vorn zu sehen, z.B. wenn ich die Diagonale im Halfpass gehe, und mich an der kurzen Seite im nicht vorhanden Spiegel zu „sehen“. In Waal gabs da einen tollen Spiegel über die ganze Breite der Reithalle. In Zahren gibts keinen, aber die Imagination hilft und es ist verrückt, wie mein Körper „sieht“ was zu korrigieren ist.

Das 3. Jahr der MiniEscola war für mich ein Sprungbrett noch viel konkreter in die Vertikale Welt einzutauchen. Ich habe eine Freundin gewonnen, mit der ich mich rege austauschen kann. Ich habe sehr viel hervorragendes Reiten gesehen der Bereiterinnen der Oliveira Stables. Und die Schulpferde!!!! Ganz tolle Pferdchen. Drei verschiedene durfte ich reiten, in Diaz hab ich mich verliebt. Ein ganz feines Rehapferd, Springpferd ursprünglich und inzwischen ein absoluter Liebling in den Stables. Hab es genossen, die morgendlichen Schrittrunden in allen Seitengängen mitreiten zu dürfen und würde am liebsten jeden Morgen selbige zu Hause mit den 4 Pferden veranstalten. Hab mehr Vertrauen in mich und meine Fähigkeiten bekommen und taste mich somit weiter als Autodidaktin, die nach und nach eine kleine Menge an Reitunterrichtsstunden ansammelt.

Im Grunde müßten sich weitere Escolen in den Stables anschließen. Trinken an der Quelle ist ein fach das Beste. ABER, ein großes ABER: es ist so Kostenintensiv, dass ich froh bin, die Minimalvariante gefunden zu haben – eben online Unterricht auf meinen eigenen Pferden.